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Gelehrte Unwissenheit

Caesarius von Heisterbach als Novizenmeister in einer Handschrift des "Dialogus miraculorum", Universitätsbibliothek Dortmund (Bildquele: commons.wikipedia.org)

Kaum konnte ich lesen, war nichts Gedrucktes mehr sicher. Später beflügelte die traumhafte Atmosphäre alter Klosterbibliotheken die Suche nach Wahrheit. Dabei gerieten Philosophie und Theologie zum faszinierenden Gedankenspiel mit Grundfragen des Menschen, ein Höhenflug – eher Kunst als Wissenschaft. „Gelehrte Unwissenheit“ nennt das der Krebs aus Kues. Und wir neigten dazu, Antworten auf die letzten Fragen lieber „in der Schwebe“ zu belassen, wie K. Jaspers riet.

Im Labor dann hatte nur Bestand, was sich wägen und messen ließ. Doch auch Positivismus führt in eine Sackgasse. Konflikte zwischen Glauben und Wissen sind meist Scheinprobleme, weil Methodenbewusstsein fehlt. Was die Naturwissenschaft entdeckt und geprüft hat, weiß sie sicher. Darauf bauen wir im Alltag. Aber: Sie weiß nicht alles. Ainsi la raison reconnaît ses propres limites. Deux excès: exclure la raison, n’admettre que la raison, warnt Pascal.

Wissenschaft erfahre ich

  • im Kontext der übrigen historischen Prozesse,
  • im Streit um Herkunft und Wesen des Menschen,
  • im Spiegel früherer Forschungsreisen, in alten Museen und Sammlungen.

Das führt zu Fragen,

  • wie Kenntnis erlangt wird,
  • wie Forscher die Natur entschleiern,
  • was daraus fürs Leben zu gewinnen ist.

♦ „mittendrin“ mehr: → Bücherwürmer. Autoren – Leser – Sammler  ◊  → Quaestiones disputatae. Dialog mit Karl Löber